Christoph Girardet: "Delay"

Videoinstallationen

24. Februar - 19. April 2002

Kunstverein Langenhagen e.V.,
Walsroder Straße 91 A,
30851 Langenhagen

Bilder

Eröffnung: Freitag, 22.02.2002, 20 Uhr

Es spricht Dr. Stephan Berg, Direktor Kunstverein Hannover
Künstlergespräch mit Christoph Girardet am 19.04.2002, 19 Uhr


Videostill aus "Delay", Christoph Girardet, 2001

Einführung

Christoph Girardet, der 1966 in Langenhagen geboren wurde und hier seine Schulzeit verbracht hat, zeigt im Kunstverein Langenhagen eine Auswahl von aktuellen Videoarbeiten aus den Jahren 2000-2002.

Christoph Girardet studierte von 1988-94 in der Filmklasse der HBK Braunschweig. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien u.a. 1994 ein DAAD-Reisestipendium für Tokio und 2000/2001 das Stipendium des Landes Niedersachsen für das ISCP-Studioprogramm in New York. Girardets Arbeiten wurden in Einzelausstellungen, u.a. im Kunstverein Hannover, in der Sean Kelly Gallery, New York, und in der Bluecoat Gallery, Liverpool, und in mehreren internationalen Gruppenausstellungen gezeigt, z.B.: "Cinema, Cinema" im Stedelijk Van Abbemuseum, Eindhoven, "Notorious" im Museum of Modern Art, Oxford, und "Some New Minds", im P.S.1 Contemporary Art Center, New York. Darüber hinaus wurden seine Arbeiten auf bedeutenden Festivals u.a. in Cannes, Venedig, Rotterdam, Toronto und Oberhausen präsentiert. Christoph Girardet lebt zurzeit in Hannover.

Die Basis für Christoph Girardets Arbeiten ist Fremdmaterial ("found footage"). Szenen und Bilder aus Spielfilmen, vorrangig der 1950er/60er Jahre, seziert er aus ihrem ursprünglichen Erzählzusammenhang und konstruiert sie für seine Absichten neu. Dabei setzt er unterschiedliche Mittel ein, wie etwa serielle und rhythmische Montage, Zeitdehnung und Wiederholung (Loop). Durch diese Arbeitsweise schärft er die Wahrnehmung für die Rhetorik von Filmbildern und ihren Mechanismen. Er rückt Verborgenes ins Bewusstsein und macht damit den Illusionscharakter des Ausgangsmaterials sichtbar.

Mit seiner Arbeit trägt Christoph Girardet zur Reflexion unserer Sehgewohnheiten bei. Gleichzeitig schafft er künstlerische Arbeiten von ganz eigener Wertigkeit und Qualität, die beim Betrachter neue Gefühle und Assoziationen wecken. Seine Arbeiten konfrontieren mit der Frage, wie Klischees und Chiffren des Films unser Fühlen und Denken prägen und als Teil unseres kollektiven Gedächtnisses längst Einfluss haben auf gesellschaftliche Konventionen und individuelle Lebensentwürfe.

Im Kunstverein Langenhagen präsentiert Christoph Girardet vier Monitorinstallationen und eine Fensterinstallation, die sich zu einem Ensemble ergänzen. Der Ausstellungstitel "Delay" (Verzögerung) gilt auch als Motto für jede einzelne der Arbeiten, beispielsweise für "60 Seconds (Analog)", einer 60-sekündigen Collage aus 60 verschiedenen Einstellungen von Armbanduhren im Sekundentakt geschnitten, oder für "Delay" (2001): Fast bewegungslos schaut die Schauspielerin Ellen Schwiers in die Kamera, dabei einen Fotoapparat vor sich haltend. Der Ausschnitt, der im Original des deutschen Spielfilms "Der Unsichtbare"(1963) nur etwa 2 Sekunden dauert, ist in unterschiedliche Zeiteinheiten zerlegt und dann auf eine Länge von 3:30 Min. geloopt. Diese Dramaturgie ermöglicht eine detailliertere Analyse des Bildes: Deutlich reflektieren zwei Scheinwerfer in den Pupillen, ein Hinweis auf den Aufbau des Filmsets. Bei genauem Hinsehen fallen ihre ungeordneten Haare auf. In dem scheinbar ins Endlose gedehnten Ablauf wirkt die Frau wie gelähmt der Fokussierung durch Kamera und Betrachter ausgesetzt. Gleichzeitig sind wir es, die dieser Frau erliegen: Hypnotisierend durchbohrt sie uns mit ihrem Blick. Die Rolle der Unterlegenen kehrt sich in der unmittelbaren Interaktion mit dem Betrachter um. Der Blitz Ihres Fotoapparats, der das Bild zur weißen Fläche füllt, ist zugleich erlösendes Ende und quälender Beginn.

Die Ausstellung ist Di. bis Fr. 14 - 18 Uhr und So. 15 - 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Führungen finden jeden Freitag, um 19 Uhr statt, für Schulklassen und Gruppen nach Terminvereinbarung.

Die Ausstellung wird gefördert durch das Land Niedersachsen.