Helga von Häfen: "Kann man Genies züchten?"
Installation

Ausstellung

28. April - 26. Mai 2000

Eröffnung: Freitag, 28. April 2000, 19 Uhr
Es spricht: Dr. Beatrix Nobis

Vom 28.4. - 26.5.2000 zeigt der Kunstverein Langenhagen in seiner letzten Ausstellung in der Kleinen Galerie im Söseweg 5 in Langenhagen eine Installation der Bremer Künstlerin Helga von Häfen. Die Ausstellung mit dem provozierenden Titel "Kann man Genies züchten?" wird am Freitag, dem 28. April 2000, um 19 Uhr von Dr. Beatrix Nobis eröffnet. Das Projekt wird unterstützt vom Land Niedersachsen sowie der Sponsoreninitiative "Kultur für Langenhagen", zu der die Stadt Langenhagen, die Firmen Minolta, Reemtsma und Universal sowie die Volksbank Hannover und die Flughafengesellschaft gehören.

Helga von Häfen, 1956 in Nordenham geboren, setzt sich in ihren vielschichtigen Arbeiten mit den Abgründen, Banalitäten und Stereotypen des Alltags auseinander. Dabei nimmt sie keineswegs eine moralisch anklagende Haltung ein. Ihre seriellen Arbeiten erzeugen vielmehr ein schrilles Lachen. Ganz lapidar stellt die Künstlerin fest: "Monotonie fasziniert mich!"

1997 hat sie beispielsweise in Fotosequenzen eine alte Frau festgehalten, die jeden Abend die gelegten Eier ihrer Hühner einsammelt. Über drei Wochen hat Helga von Häfen die Frau immer zur gleichen Zeit beobachtet und fotografiert. In den seriellen Reihungen zeigt sich eine Struktur, in der die Eintönigkeit des Lebens offenbar wird, von der aber auch die Künstlerin scheinbar nicht ausgenommen ist: War sie es doch selbst, die jeden Tag immer zur selben Stunde zur Voyeurin wurde.

Auf den Spuren von "Zucht und Ordnung", so der Titel einer Installation aus dem Jahr 1998, hat die Künstlerin eine umfassende Recherche in den Abgründen des Banalen unternommen, und zwar am Beispiel der Kleintierzucht in der ehemaligen DDR. In den Publikationen der Kleintierzuchtverbände hat Helga von Häfen an der Oberfläche lächerlich anmutender Ernsthaftigkeit den beängstigenden Schrecken eines verkrusteten hierarchischen Systems entdeckt, das sich genauso in den westlichen Vereinsstrukturen, in ländlichen Gemeinderäten und auf Schützenplätzen finden läßt. Nicht von ungefähr wählte Helga von Häfen das Terrain Kleintierzucht. Denn hier verbirgt sich in der vermeintlichen Harmlosigkeit des ernsthaft betriebenen Hobbys eines der umfassenden Probleme der Jetztzeit. Eingebettet in deutscher Schrebergartengemütlichkeit deutet sich eine Struktur an, die sowohl das Grauen des 20. Jahrhunderts, als auch die Ängste im Blick auf die Zukunft der Menschheit zunehmend bestimmt - der rassistische Traum vom makellosen und funktionierenden Zuchtprodukt.

Ganz nebenbei stellen sich beim Betrachten der witzigen Installation im Kunstverein Langenhagen auch Assoziationen zum inflationären Kunstbetrieb ein, der die komischsten Phänomene hervorbringt: Noch mehr Ausstellungen, noch mehr Kunstwerke, noch mehr Künstler, noch besser, noch internationaler und wie die Kleintierzüchter lassen sich die Ausstellungsmacher in vorderster Reihe ablichten.

Veronika Olbrich M.A.


Helga von Häfen zeigt eine Objektreihe