Jahresprogramm 2008
„Kann denn das wahr sein?“

Das Jahresprogramm des Kunstvereins Langenhagen setzt sich 2008 in fünf Ausstellungsprojekten und entsprechenden Begleitveranstaltungen mit der Wahrnehmung von komplexer gesellschaftlicher Realität und der Konstruktion von Geschichte auseinander. Das Programm beschäftigt sich in beabsichtigt opulent gestalteten Ausstellungen und Projekten mit Irritationen, Provokationen und Reflektion unserer Wahrnehmung. Durch visuelle Irritationen, provokante Widersprüche und in apokalyptischen Zeitreisen wird in unterschiedlicher Weise der Frage nachgegangen, wie wir Realität wahrnehmen und Geschichte generiert wird.

In der von Tilo Schulz kuratierten Ausstellung wird der als Widerspruch wahrgenommene Gegensatz von Opulenz und Leere im Hinblick auf den inhaltlichen Mehrwert untersucht. Umkehrung von Aussagen ins Gegenteil führen bei Anna Meyer zu Pointierungen und damit zu einer komplexeren Wahrnehmung der sozialen Lebensverhältnisse in unseren Städten. Die visuelle Irritation unserer Wahrnehmung in den Zeitreisen durch die Kunstgeschichte bei Tommy Støckel führt uns zu einer anderen Wahrnehmung gegenwärtiger Realität. Und schließlich lässt uns Suzanne Treister mit ihrem haarsträubenden Fantasy-Tripp nur vage ahnen, dass Geschichte in Wirklichkeit nicht auf eindeutigen Tatsachen beruht.

In den geplanten Ausstellungen werden überwiegend junge, internationale Positionen gezeigt, die mit unterschiedlichen Strategien und verschiedenen Medien arbeiten. Bekannte Positionen, wie die in der von Tilo Schulz kuratierten Gruppenausstellung, werden im Wechsel mit weniger bekannten internationalen Positionen gezeigt. Performative Aktionen wechseln mit traditionellen Präsentationen, wie etwa von Tommy Støckel ab. Neue Formen der Präsentation von Malerei erprobt Anna Meyer, die ihre Bilder zusammen mit Modellen im Raum zeigt. Und Suzanne Treister verwendet alle Medien, bis hin zu Filmen und Performances, wenn sie ihre Protagonistin Rosalind Brodsky auch in Langenhagen auf die Spuren des britischen Geheimdienstes schickt. Geplant sind ausschließlich Neuproduktionen, die für die besondere Raumsituation des Kunstvereins Langenhagen entstehen.

Ein vielfältiges Begleit- und Vermittlungsangebot, das sich an unterschiedliche Zielgruppen richtet und gleichzeitig neue Formen der Vermittlung erprobt, ist ein wesentlicher Schwerpunkt der Arbeit des Kunstvereins Langenhagen: Die Form der klassischen Führung und das Künstlergespräch gehören zum Angebot im Rahmen jeder Ausstellung. Darüber hinaus sollen durch interdisziplinäre Veranstaltungen sinnliche und geistige Erfahrungen vermittelt werden. Durch die Kooperation mit der Volkshochschule Langenhagen ist es möglich, in Sonderführungen neue Zielgruppen zu erschießen. In regelmäßigen Lehrerführungen werden Anregungen für den Unterricht in unterschiedlichen Schulformen gegeben. Mit der scheinbar banalen, aber hintergründigen Frage „Kann denn das wahr sein?“ greift der Kunstverein Langenhagen ein Thema auf, das große Aktualität innerhalb des zeitgenössischen Diskurses besitzt.

Programmübersicht

Suzanne Treister (*1958 in London/England, lebt in London und Berlin)
27. März 2008 – 4. Mai 2008
Apokalyptischer Fantasy-Tripp einer fiktiven Forschungsreisenden.

Rosebud – Eine Suche zwischen Opulenz und Leere
Eine thematische Gruppenausstellung kuratiert von Tilo Schulz (*1972, lebt in Leipzig)
29. Mai 2008 – 25. Juli 2008
Die Gruppenausstellung untersucht das Spannungsverhältnis von Opulenz und Leere im Hinblick auf den inhaltlichen Mehrwert.

Anna Meyer (*1964 in Schaffhausen/Schweiz, lebt in Wien/Österreich)
30. August 2008 – 5. Oktober 2008
Bilder, die das durch Konkurrenz und Gewinnstreben gekennzeichnete soziale Leben in unseren modernen Städten zeigen.

Tommy Støckel (*1972 in Kopenhagen, lebt in Berlin)
23. Oktober 2008 – 30. November 2008
Geometrische Skulpturen aus einfachen Materialien, die ihren Ursprung aus einer virtuellen Realität beziehen.

Christof Zwiener (*1972 in Osnabrück, lebt und arbeitet in Berlin)
12. Dezember 2008 – 15. Februar 2009
Eine performative Installation, die in überraschender Weise mit unserer Wahrnehmung spielt.

Förderer

Das Jahresprogramm wird gefördert durch das Land Niedersachsen und die Stiftung Kulturregion Hannover. Förderung der Kunstvermittlung: VGH-Stiftung. Die Entwicklung des Konzepts wurde von der Sparkasse Hannover gefördert. Einzelne Ausstellungsprojekte werden großzügig durch die Stiftung der Kulturregion, Stiftung der Sparkasse und Region Hannover, und die Niedersächsische Lottostiftung gefördert. Neben der institutionellen Förderung durch die Stadt Langenhagen fördern Spenden und Unternehmen den Verein. Dazu gehört der Hannover Airport als Kooperationspartner.