Gunilla Klingberg

16. März 2003 - 2. Mai 2003

Vita
Bilder

Einführung

Das Jahresprogramm beginnt mit der Ausstellung von Gunilla Klingberg (S/D), geb. 1966. Die in Berlin lebende schwedische Künstlerin stellt in ihren Raum- und Soundinstallationen, Skulpturen, Videos und Objekten die Macht unserer Konsumwelt mit ihren unbewusst wirkenden Manipulationen und Verführungen dar. Mit ihren Arbeiten entwirft Gunilla Klingberg zeitgenössische Ikonen unserer heutigen Konsumwelt.

Rohmaterial ihrer Arbeiten sind die allgegenwärtigen Logos und Signets von Lebensmittelketten und die Aufdrucke von Massendiscountern auf Plastiktragetaschen. Dabei interessieren sie nicht die exklusiven Marken, sondern der Konsumbedarf des täglichen Lebens. Wir alle kennen die Zeichen von Warenhäusern und Supermärkten, die Reklametafeln und Anzeigenkampagnen, die das öffentliche Stadtbild und unseren privaten Lebensraum prägen. Unweigerlich bringen wir diese Zeichen mit schneller und preiswerter Bedürfnisbefriedigung in Verbindung. Erst durch Konsum nehmen wir offenbar teil am gesellschaftlichen Leben.

Gunilla Klingberg verändert die austauschbaren Logos der Ladenketten wie Aldi, Lidl und Spar, verzerrt sie ins nahezu Groteske und gestaltet daraus ornamentale Muster, die wie dekorative Spitzendeckchen oder Mandalas aussehen. Die konzentrischen Formen und Muster wirken hypnotisierend auf den Betrachter, der seinen Blick kaum abwenden kann. Immer tiefer bohrt er sich in die kreisenden Muster und Formen. Erst auf den zweiten Blick werden die Logos und Zeichen unserer Warenwelt erkennbar. Während das Mandala in fernöstlichen Religionen zur Meditation über göttliche Weisheiten anregt, herrscht hier die Verführung zum Kauf.

Schwindelerregend wirkt das Video "Spar Loop", 2000, von Gunilla Klingberg. Unzählige computermanipulierte Logos kreisen kaleidoskopartig um sich selbst, um immer wieder neue Muster zu ergeben. Wie das Überangebot bunter Waren in den Regalen der Supermärkte bannt das bunte Flimmern und Kreisen der Muster und Formen den Blick des Betrachters, der scheinbar unversehens eine Überdosis verabreicht bekommt.

Ähnlich hypnotisierend wirkt das Video "Unfold", 2001, das Gunilla Klingberg mit getarnter Kamera während einer 24 Stunden Shopping-Aktion des Möbelhauses Ikea aufgenommen hat. Die anschließend von der Künstlerin bearbeiteten, mehrfach gespiegelten und wieder zur Sequenz zusammen-gesetzten Bilder zeigen im Video kaleidoskopartig immer neu zusammen- und auseinanderfließende Muster, die kaum noch erahnen lassen, dass es sich eigentlich um Aufnahmen von Sofas, Teppichen oder preiswerten Lampen aus Reispapier handelt. Und genau diese preiswerten Papierlampen hat Gunilla Klingberg für ihre Skulptur "Transtube System", 2001, zur Endlosschleife zusammengefügt. Sollte jemand auf die Idee kommen, hier das Licht anzuschalten, wird allenfalls ein Kurzschluss verursacht.

Für ihre Ausstellung im Kunstverein Langenhagen hat Gunilla Klingberg eine neue Arbeit konzipiert: "Repeat Pattern", Linoleum Floor, 2003, ist eigens für die Raumsituation entstanden und entwickelt "Repeat Pattern", Poster, 2002, weiter. Während "Repeat Pattern", Poster, 2002, wie Tapete als zweidimensionale Gestaltung direkt an der Wand aufgebracht wurde, besteht "Repeat Pattern", Linoleum Floor, 2003, aus bedruckten Linoleumfliesen im Format 63,3 cm x 63,3, cm , die sowohl auf dem Fußboden verlegt werden , als auch auf einer Vielzahl von Würfeln befestigt sind, um als dreidimensionale Installation den gesamten Raum zu ergreifen. Die orientalisch wirkenden dekorativen Muster erinnern an die Ausgestaltung von Tempeln mit ihren religiösen Zeichen. Erst bei genauem Hinsehen entpuppt sich das ornamentale, stets wiederkehrende Muster als eine Zusammensetzung, Brechung und Vervielfältigung der Logos weltweiter Supermarktketten. Die stets gleichförmige Architektur der austauschbaren Billig-Discounter mit ihren Regalen und Kisten, in denen die Waren zum Verkauf geboten werden, spiegelt sich in der Form der Kuben wieder. Die langgestreckte Architektur des Kunstvereinsgebäudes erinnert gleichzeitig an Tempelanlagen. Das Video "Unfold", 2001, und die Soundinstallation "Feedback Soundtrack", 2001, ergänzen die Rauminstallation. "Repeat Pattern", Linoleum Floor, 2003, verführt die Betrachter in die wundersame Welt der Konsumtempel. Teile der Installation von Gunilla Klingberg werden anschließend in der Ausstellung "Reshape" auf der Biennale in Venedig 2003 gezeigt.

Die Ausstellung wird durch ein interdisziplinäres Rahmenprogramm begleitet.

Die Ausstellung wurde großzügig unterstützt vom Land Niedersachsen, Forbo Linoleum GmbH in Paderborn, IASPIS - International Artist´s Studio Program in Sweden und vom Aus- und Weiterbildungszentrum Fabrik Langenhagen.

Den Getränkeausschank zur Eröffnung übernimmt das Café Monopol, Verein für Jugend und Kultur in Langenhagen.

Termine

Eröffnung: Freitag, 14. März 2003, um 20:00 Uhr

Freitag, 28. März 2003, 19:00 Uhr, Kunstverein
"Der Name der Dose" - PsychALDIlische Visionen vom Fetisch-Discounter.
Vortrag und Gespräch mit Dr. med. Mattias Kayser, Psychoanalytiker.

Sonntag, 13. April 2003, 9:00 Uhr
"Zwischen Shopping Mall und Waldwegen" - Eine Moorwanderung unter Leitung von Dipl.-Ing. Eckhard Schmatzler, NLÖ-Naturschutz.
Anschließend Führung durch die Ausstellung.
Bitte melden Sie sich an bis spätestens 10. April 2003: Tel. 0511/778929

Freitag, 2. Mai 2003, 19:00 Uhr, Kunstverein
Dia-Vortrag und Gespräch mit Gunilla Klingberg.
Anschließend: Konsumsuppe

Jeden Freitag, 18:00 Uhr Führung und Gespräch.

Sonderführungen für Gruppen und Schulklassen nach telefonischer Vereinbarung. (Tel. 0511/778929)

Öffnungszeiten: Di. - Fr. 14:00 - 18:00 Uhr, So. 15:00 - 17:00 Uhr
und nach Vereinbarung

English Introduction

The programme starts with the exhibition of Gunilla Klingberg, born 1966. Presenting sound installations, sculptures, videos and objects the Swedish artist, who lives in Berlin, visualizes the influence of consumerism with its subconscious manipulations and seductions. Her works show contemporary icons of our world of consumerism.

Gunilla Klingberg designed her new work “Repeat Pattern", Linoleum Floor,2003 especially for Kunstverein Langenhagen . It is a development on “Repeat Pattern", Poster, 2002. While the posters were pinned up like wallpaper as two-dimensional shaping, the work in Kunstverein Langenhagen consists of printed linoleum tiles (format 63,3 cm x 63,3 cm) covering the whole floor and growing into space in 3-dimensional forms through a number of cubes that are covered with the very same tiles. The decorative patterns remind the observer of the inside of oriental temples with their religious symbols. Only on looking more carefully the large-format patterns reveal themselves as parts of the logos of world-wide supermarket chains found everywhere around the corner. These logos have been put together, multiplied and distorted. Both the uniform architecture of cheap discounters and the piled-up cardboard boxes in which the goods are displayed are reflected in the form of the cubes.

The stretched-out architecture of Kunstverein Langenhagen also evokes the association of temples. The video “Unfold",2001 and the sound installation “Feedback Soundtrack", 2001 complete the site installation. “Repeat Pattern", Linoleum Floor,2003 draws the observer into the hypnotic shrines of consumerism. Parts of the show will be shown in the exhibition “Reshape" at the Biennale of Venice 2003.

The show is supported by Land Niedersachsen, IASPIS-International Artist´s Studio Program in Sweden, Forbo Linoleum, Paderborn.

Program

Friday, 28.March 2003, 7 p.m.
"The name of the tin" - PsychAldiLic visions from the fetisch-discounter. Lecture and discussion by Dr. med. Mattias Kayser, Psychoanalyst

Sunday, 13. April 2003, 9 a.m.
"A guided tour at the bog", Dipl.-Ing. Eckhard Schmatzler
After that: A guided tour at the exhibition of Gunilla Klingberg at Kunstverein

Friday, 2. May 2003, 7 p.m.
Slide-show and artist talk by Gunilla Klingberg,
After that: "Consumption-soup"