Jun Yang: "HERO"

18. November 2005 - 22. Januar 2006

Eröffnung: Freitag, 18. November um 20:00 Uhr
Begrüßung: Holger Graab, Vorsitzender Kunstverein Langenhagen
Einführung: Veronika Olbrich


Einführung

"Mama - guck mal, ein Chinese", sagt ein kleiner Junge zu seiner Mutter, als sie Jun Yang in Wien auf der Straße begegnen. Der Junge zieht ihm eine Fratze mit Schlitzaugen. Jun Yang lacht zurück.

Mit dem Erzählen über diese Begebenheit endet der neueste Film des österreichischen Künstlers Jun Yang "HERO - this is WE" (2005), der in seiner Ausstellung "HERO" als zweiteilige Videoinstallation zu sehen ist. Jun Yang wurde 1975 in China geboren. Als er vier Jahre alt war, zogen seine Eltern mit ihm nach Österreich. Er wuchs also in zwei völlig unterschiedlichen Kulturräumen auf.

Sein Bild von China wurde durch die Erinnerungen seiner Eltern geprägt, vor allem aber durch Klischees und Stereotypen aus Hollywoodspielfilmen. Auf humorvolle Weise beschäftigt sich Jun Yang in seinen künstlerischen Arbeiten mit der Identität stiftenden Wirkung dieser Vorstellungen und Bilder.

In "HERO - this is WE" untersucht Jun Yang die Inszenierung von Flaggen als Projektionsfläche für nationale Identität. In Dokumentaraufnahmen und Ausschnitten aus Nachrichtensendungen zeigt er den Einsatz von Flaggen bei Massenveranstaltungen, Demonstrationen und Sportereignissen. Je mehr Medaillen ein Staat bei den olympischen Spielen gewinnt, desto häufiger erscheint seine Flagge im Bild.

Parallel dazu werden in einer zweiten Videoprojektion Flaggen und Banner in riesigen Menschenmengen verfremdet. Die Farben der Fahnen sind wegretuschiert, so dass sie nun als weiße Flächen erscheinen. Auf diese Weise wird darauf hingewiesen, dass die ideologischen Anschauungen eines Staates austauschbar sind und durch Medien und Propaganda aufgefüllt werden können. Eine ausgeklügelte Inszenierung macht sie glaubwürdig und vermittelbar und unterstützt die Entstehung von nationaler Identität.

Am Beispiel der Entwicklung Chinas zur wirtschaftlichen Supermacht deckt Jun Yang auf, wie die Identität eines Staates neu konstruiert wird. Für die Identitätsfindung und Bindung einer Nation werden Helden inszeniert, mit denen sich die Masse identifizieren kann. Es werden Spitzensportler, Weltkünstler, Weltausstellungen, ein Raumfahrtprogramm und hohe Gebäude hervorgebracht und gemeinsam gefeiert.

Jun Yang ist seit seiner Teilnahme an der europäischen Kunstbiennale Manifesta 4, 2002 in Frankfurt a.M., international erfolgreich. "HERO - this is WE" entstand für die diesjährige Biennale in Venedig und wird im Kunstverein Langenhagen als beeindruckende Großprojektion gezeigt.

Tauchen Sie ein in die Geschichten von Jun Yang, in denen er uns über große Ereignisse, nationale Helden und auch über sich selbst als kleiner Junge erzählt. Sie wirken zunächst so harmlos, entwickeln aber eine große Brisanz für jeden von uns.

Termine

Dienstag, 22. November 2005, 16:00 Uhr
Lehrerführung mit Anregungen für den Unterricht
Anmeldung unter 0511 778929

Freitag, 25. November, 19:00 Uhr
Führung und Gespräch

Sonntag, 4. Dezember 2005, 16:00 Uhr
"As we understood II" Das Künstlerpaar Helmut & Johanna Kandl stellt ihr Buch "Business or pleasure" mit vielen Fotografien und Geschichten vor.

Freitag, 16. Dezember 2005, 19:00 Uhr
Führung und Gespräch

Sonntag, 15. Januar 2006, 14:00 - 18:00 Uhr
"Unbekanntes Land" - wir erfinden ein Land mit allem, was dazu gehört: Berge, Wasser, Tiere, eigene Sprache, eigenes Geld und eigene Fahne
Workshop für Kinder ab 8 Jahre
Leitung: Rolf Sextro, Bildhauer
Begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung: 0511 778929

Sonntag, 22. Januar 2006, 11:30 Uhr
Jun Yang: Performance, Filme und Gespräch
Anschließend: Gemeinsames Mittagsbüfett (8,-EUR) Nicht verpassen!

Förderer

Die Ausstellung wird besonders gefördert durch die Niedersächsische Sparkassenstiftung und das Land Niedersachsen
Konzeptionelle Förderung: Sparkasse Hannover
Kooperationspartner: Hannover Airport