scroll for english version

Judith Raum - L'Inspecteur des Cultures - 11.03. - 10.04.2011
Eröffnung: Sonntag, 11.März 2012, 15 Uhr
Performance von Judith Raum

Begrüßung: Holger Graab, Vorstand

Einführung: Ursula Schöndeling, künstl. Leitung und Geschäftsführung

Seit 2009 beschäftigt sich Judith Raum (*1977) mit dem als »Bagdadbahn« bekannt gewordenen deutschen Eisenbahnbau im Nahen Osten zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In ihrer künstlerischen Arbeit widmet sie sich den Auswirkungen der deutschen Finanzpolitik auf die kulturellen Beziehungen zwischen deutschem und osmanischem Reich und der Übersetzung der untersuchten Strukturen in materielle und performative Prozesse.

1888 beauftragte das Osmanische Reich eine Gesellschaft unter Leitung der Deutschen Bank mit dem Bau der »Anatolischen Eisenbahn« - einer die heutige Türkei durchquerenden Bahnlinie, die bis an die Ölfelder nach Bagdad reichen sollte. Bis zum Ausbruch des ersten Weltkriegs richteten sich die Ideen und Initiativen deutscher Unternehmer auf eine umfassende Nutzung der Ressourcen und Märkte Anatoliens. Neben zahlreichen Aufträgen an die deutsche Stahlindustrie entwickelten so etwa fränkische Hauswebereien gemusterte Tücher für den anatolischen Markt. Agraringenieure (Inspecteurs des Cultures) wurden entsandt, um den großflächigen Anbau von Bodenfrüchten sowie die Verbreitung deutscher landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte in Anatolien voranzutreiben.

In Archiven in Deutschland, England und der Türkei hat Judith Raum Bildmaterial und Korrespondenzen gesammelt, die diese Unternehmungen, ihre Sprache und Bildpolitik dokumentieren. In ihrer für den Kunstverein Langenhagen konzipierten Ausstellung stellt sie eigene Objekte und großformatige Stoffarbeiten mit Archivfotos und Textdokumenten in einen räumlichen Zusammenhang, anhand dessen die untersuchte Wirtschafts- und Sozialgeschichte vielstimmig, multiperspektivisch und -medial lesbar wird. Die Art der Anordnung, Aufstellung und Hängung der Textilien und Objekte im Ausstellungsraum folgt provisorischen Konstruktionen und Befestigungen, wie sie der Künstlerin an Orten und in Maschinen entlang der Bagdadbahn begegnet sind. Mehrfach mit Tuschen bearbeitete Stoffbahnen greifen die für den Nahen Osten hergestellten textilen Oberflächen der deutschen Hausweber auf. Die Gestaltung und Präsentation der Dokumente und Artefakte erzeugen so ein Echo der historischen Erzählstrukturen und Gebrauchsweisen.

Judith Raum studierte Bildende Kunst in Frankfurt/Main und New York City sowie Philosophie, Kunstgeschichte und Psychoanalyse in Frankfurt/Main. Von 2007-2011 unterrichtete sie mit einem Lehrauftrag an der Universität der Künste Berlin, wo sie derzeit Stipendiatin der Graduiertenschule für die Künste und Wissenschaften ist. L`Inspecteur des Cultures. ist Judith Raums erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland.

Die Ausstellung wird großzügig gefördert durch
das Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur
Mit freundlicher Unterstützung von PG Lab, Hannover
Herzlichen Dank!

 

width="236"
Opening: Sunday March 11, 2012 at 3 p.m.
Performance by Judith Raum

Welcome: Holger Graab, Chairman

Introduction: Ursula Schöndeling, Director

Since 2009 Judith Raum (*1977) has collected image material and correspondence from archives in Germany, England and Turkey, which document the diffusion of capital and the language and image policy connected with German semi-colonial efforts in Anatolia during the early 20th century. Raum’s interest lies in finding out how power and its subversion appear through the materials and sites she studies. She offers alternative views of some of these histories through the way she uses the same materials and language, only to make process transparent and to highlight the provisional in the construction of sense and in the treatment of material.

more information will be provided soon

The Exhibition is generously founded by
the Ministry of Science and Culture, Lower Saxony
and kindly supported by
PG Lab, Hannover

 

Eroeffnung-Raum.png

Sonntag, 11.März 2011, 15 Uhr

Performance: Judith Raum: "harmless entrepreneurs"

Das ist ein Vortrag über unser Verhältnis zu den Dingen.
Ein sinnliches Verhältnis, und seine Verbindung zu der Art, wie wir denken und handeln.
Ich denke über eine bestimmte Art von Objekten nach. Ihnen fehlt die übliche Strenge, die Objekte oft kennzeichnet.
Sie sind fest. Trotzdem scheinen sie durchdringbar. Die Schichten und Teile, aus denen sie bestehen, sind nicht endgültig miteinander verbunden.
In ihnen steht Bewegung nicht still. Die Art von Bewegung, die wir aus den Momenten kennen, wenn wir Ideen entwickeln, und wenn wir testen, wie etwas aussieht, das diesen Ideen nahe kommt.
Auszug aus dem Text von Judith Raum

 

Workshops Geschichte

Das Team Kunstvermittlung bietet kostenlose Workshops zu den Ausstellungen an. Eingeladen sind Schulklassen und Gruppen ab 5 TeilnehmerInnen. Dauer und Termine nach Absprache. Informationen und Anmeldung für die Workshops bei Kerstin Vorwerk 0511-21908120, im Kunstverein 0511 778929 oder per Mail an vermittlung@kunstverein-langenhagen.de

Blickwinkel entscheiden- Geschichte entsteht 1
Workshop 1 für Schüler und Gruppen aller Altersstufen

Was erzählt uns ein Gegenstand? Gibt er Hinweise über die Bedeutung, die er für die Menschen hatte oder weist er Spuren auf, die über Herstellungsverfahren und Zweck sprechen? Was kann uns ein altes Foto alles erzählen? Wir recherchieren und gehen unseren Ahnungen nach.
In der Ausstellung erfahren wir etwas über den Bau der Bagdad Bahn, Judith Raum zeigt Fotos und Gegenstände, sammelt Akten und Notizen, sie lässt andere die Geschichte erzählen und stellt selbst Spuren her.
Dann sind wir dran: Mit forschendem Spürsinn untersuchen wir jetzt selbst alltägliche Gegenstände. Welche Geschichte können wir über sie schreiben und erzählen? Wir nehmen verschiedene Rollen an, legen mögliche Spuren und erzeugen unsere Version einer Geschichte zwischen Erfahrung, Fakt und Fantasie.
Freie Terminwahl, Anmeldung bei Kerstin Vorwerk, Tel. 0511-21908120

Blickwinkel entscheiden- Geschichte entsteht 2
Vertiefender Workshop für Schüler und Gruppen aller Altersstufen

In diesem Workshop arbeiten wir an der Geschichte, die ihr zu einem Gegenstand entwickelt habt weiter. Wie erzähle ich die Geschichte anderen? Wir lassen uns von Judith Raums Arbeitsweise inspirieren und probieren verschiedene Darstellungs- und Präsentationsformen aus. Wir legen Spuren aus, die andere lesen können.
Freie Terminwahl, Anmeldung bei Kerstin Vorwerk, Tel. 0511-21908120

Bedingungslose Übereinkunft oder bedingte Übernahme?
Workshop mit Kerstin Vorwerk

Objekte der visuellen Kultur und Kunst aus anderen Kulturkreisen sind in unserem Lebensraum präsent. Als Teile globalisierter Lebensstile oder als Bilder in einem globalisierten Informationskosmos. Einige übernehmen wir als exotische Dekoration, andere sind schon nicht mehr als fremd zu erkennen, so geläufig sind sie geworden.
In diesem Workshop interessiert uns der Prozess der „Übernahme“ und Umformung von Dingen, Worten, Erlebnissen. Ihre Herkunft aus anderen Kulturkreisen und Ankunft in neuen Zusammenhängen. Wir gehen auf die Suche nach bereits eingeschmolzenen Anverwandlungen oder noch deutlich Unterscheidbarem. Bitte aktuelle Tageszeitung mitbringen.
Freie Terminwahl, Anmeldung bei Kerstin Vorwerk, Tel. 0511-21908120

Workshop mit Kerstin Vorwerk
Auf die Spur kommen- Malerei für alle Altersgruppen

Wie zufällig ist das Erscheinen von Spuren auf einem Bild, das alltägliche Lebensbedingungen, ahnungsvolle Stimmungen oder sinngerichtete Zeichen aus der Vergangenheit erzeugt? Wie kann ich es mit Pinsel und Farbe herstellen?
Wir nähern uns in diesem Workshop den Geheimnissen malerischer Spuren auf grundierter Leinwand. Dynamisch geführte Pinselbewegungen stehen im Wechsel zu ruhiger Handführung: Farbschichten entstehen, werden abtragen, übermalt, weggewischt und neu geschichtet.
Freie Terminwahl, Anmeldung bei Kerstin Vorwerk, Tel. 0511-21908120

 

Sonntags im Kunstverein

Neugierige und Kunstbegeisterte aller Altersgruppen sind eingeladen zu Führungen, Gesprächen, Vorträgen und eigenen Arbeiten. Beginn jeweils 15.30 Uhr

Sonntag, 18.3.2012, 15:30 Uhr
"Zwischen Denkvorgängen und Webfehlern" mit Kerstin Vorwerk

Sonntag, 25.3.2012, 15:30 Uhr
"Strategien der Improvisation im Fokus künstlerischer Forschung" mit Kerstin Vorwerk

Sonntag, 01.04.2012, 15:30 Uhr
"Gewebe - durchdringen und entziehen" mit Doris Pietsch

Sonntag, 08.04.2012, 15:30 Uhr
"Erzählung und Behauptung" mit Doris Pietsch