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Mit Laëtitia Badaut Haussmann, Béatrice Balcou, Eva Barto and Sophie Bonnet-Pourpet, Camille Blatrix, Maxime Boidy, Bruno Botella, Ian Burn, Andrea Büttner, Philippe Decrauzat, Guy Debord, atelier Gamil, Jacqueline de Jong, Buster Keaton, Benoît Maire, Enzo Mari, Pierre Paulin, Jean-Luc Moulène, Daniel Pommereulle, Clément Rodzielski, Cinzia Ruggeri, Jean-Michel Sanejouand, Anne-Françoise Schmid und Michael E. Smith.

Eine Ausstellung konzipiert von Gallien Déjean, Emmanuel Guy, Juliette Pollet and Fanny Schulmann, with Reynaldo Gomez and Sif Lindblad.

Eröffnung: Freitag, 26. April, 19 Uhr, mit als Gastredner Thomas Becker

Während der Eröffnung werden drei Werke präsentiert:

* Fanny Schulmann und Emmanuel Guy werden das Spiel des Krieges von Guy Debord spielen und stehen zur Verfügung, um die Regeln des Spiels dem Publikum vorzustellen.

* Gallien Déjean wird für Atelier Gamils Arbeit Phönician Beach BBQ trinken und singen.

* Sif Lindblad und Ilka Theurich werden den Text von Pierre Paulin und Maxime Boidys Arbeit Complexe de 1986 aufführen.

Während wir mit unseren Freunden über Politik sprechen, richtet sich unser Blick mechanisch auf die auf dem Tisch ausgebreiteten Objekte. Einen Ausweg aus den Widersprüchen unserer Diskussionen oder eine Verbindung zwischen Worten und Gedanken suchend, tastet das Auge die scheinbar unbedeutenden Dinge vor ihm ab, in der Hoffnung, eine Leerstelle zu finden, in der sich die Situation klarstellen ließe. Oft ist der Vorgang jedoch genau umgekehrt – beginnend mit den Objekten auf dem Tisch – die einen Bilanz ziehen lassen. Das Ende der Kurzgeschichte Solid Objects von Virginia Woolf bietet ein gutes Beispiel eines solchen Vorgangs. Um zu verstehen, warum sein Freund John eine brillante politische Karriere aufgab, nur um ausrangierte Objekte zu sammeln, fühlt sich Charles plötzlich von den Gegenständen, die Johns Büro verstopfen, bedroht. John versucht verzweifelt zu erklären, dass er faktisch keineswegs irgendetwas aufgegeben hat. Aber vergeblich: Charles zieht es vor zu fliehen, anstatt sich mit der politischen Dimension von Johns Arbeit auseinanderzusetzen. Dennoch hat er, sogar ohne die Auseinandersetzung, die Kapazität des Widerstands und der Bedrohung, die den gesammelten Objekten innewohnt, spüren können.

“Jeder Artikel der verantwortlich für die Gefährdung von Personen gemacht werden kann, wird als Waffe angesehen, wenn er gebraucht wird, um zu töten, zu verwunden oder zu bedrohen, oder von seinem Träger beabsichtigt wird, damit zu töten, zu verwunden oder zu bedrohen. Jeder Artikel, der einer Waffe wie im oberen Paragraph in derartiger Weise ähnelt, zu Verwechslungen führen kann und der von seinem Träger dazu gebraucht wird, zu bedrohen, zu töten oder zu verwunden oder wenn vom Träger beabsichtigt ist, damit zu bedrohen, zu töten oder zu verwunden, wird als Waffe angesehen.” In diesen Zeilen des Artikels 132-75 des französischen Strafgesetzes wird die Definition “une arme par destination” festgesetzt: Ein Objekt wird zur Waffe gleichermaßen durch sein Potenzial als auch durch die vermeintliche Intention seines Trägers, Schaden zu erzeugen.

Wir wollten John in seiner Forschung als Sammler unterstützen und die Fähigkeit mancher Kunstwerke zurückgewinnen, einschüchtern zu können; daher entschieden wir, einige Objekte auf einem Tisch anzuordnen und sie auf die Probe zu stellen. Die Konstitution dieser Kollektion war der Startpunkt für eine kollektive Diskussion, die danach strebt, den Beginn einer kritischen Reflektion zu etablieren, die sich auf das zeitgenössische Regime des Objekts konzentriert – und von ihm weitergehen kann. Im Gegensatz zu der Prämisse, in der ein Objekt als relationales Element zwischen dem Mensch und seiner Umwelt gesehen wird, untersucht diese Ausstellung das den Objekten inhärente Potenzial zum Widerstand. An der Schnittstelle von Politik, Physik und Ontologie bestätigt diese temporäre Akkumulation von Objekten die unterschwelligen, autonomen und nicht-relationalen Aspekte von Artefakten, ihre Kapazität zur Blockade, ihre burleske Instabilität oder ihr tödliches Potenzial.

Die Ambiguität und Illusion der Realität steht im Mittelpunkt des ambitioniertes Projekts Depiction, Again in dem die möglichen Bedeutungen zweidimensionaler Bilder zentrales Thema sind. KünstlerInnen aller Epochen haben mit der Bedeutung des zweidimensionalen Bildes gespielt, mit der Darstellung, Kopie, Wiederholung, Faksimile, Variation, Spiegelung und den vielfältigen Beziehungen, die die Bilder mit der von uns wahrgenommenen Realität haben. Mit den technischen Entwicklungen in Informationsbereitstellung und der Produktion von Bildern in den letzten rund 150 Jahren ist die Beziehung zwischen Bildern und Realität wie auch der Distribution dieser Bilder (und daher auch der Informationen) immer komplexer geworden.
Anstatt von einer Hyperrealität (einer Illusion der Wirklichkeit, die durch die visuelle Kultur geschaffen wird) auszugehen, fügt diese Ausstellung sich in die Tradition des Simulacrums ein. Das Bild der Welt entsteht auf der Grundlage dessen, was in den Medien gesehen wird. Die Realität basiert auf etwas, das die Menschheit selbst entwickelt hat (in Film und Medien). Es gibt kein Original mehr.

Dieses Projekt ist zusammengestellt in Kollaboration mit dem Künstler Craig Drennen. Während der Ausstellung wird die gesamte Ausstellungskonstellation einmal verändert, um einen anderen Blick zu ermöglichen. Die Arbeiten verdeutlichen in ambitionierter und vielschichtiger Weise den konstanten “Verrat” oder die Illusion der Bilder.

ROOMS TO LET ist Arbeitsmethode und Ausstellungsreihe. Andrea von Lüdinghausen und Mareike Poehling stellen unter diesem programmatischen Titel Fragen zu Ausstellungsformen und Produktionsbedingungen künstlerischer Arbeit. Das Atelier in seiner herkömmlichen Form ist aufgelöst, stattdessen werden transitorische Räume wie Hotels, Pensionen oder Guesthouses genutzt. Für die Realisierung eines jeden Kapitels leben und arbeiten die Künstlerinnen über einen bestimmten Zeitraum an unterschiedlichen Orten in einem Hotelzimmer. Im Anschluß wird der Raum zu festgelegten Zeiten für das Publikum geöffnet.

ROOMS TO LET arbeitet international und bringt die Ausstellungsstücke und Fragestellungen des jeweiligen Kapitels regelmäßig zurück, um sie mit dem ursprünglichen Lebens- und Produktionsort Hannover zu verknüpfen. Durch den ständigen Wechsel der Perspektive wird ein stetiges Reflektieren und Neu-Justieren von Gedanken und Fragen erforderlich. Für das vierte Kapitel des Projekts ROOMS TO LET bietet Langenhagen eine perfekte Synthese aus Internationalität und lokaler künstlerischer Diskussion. Ein schwer zu greifender Ort, ein Ort mit ganz verschiedenen Gesichtern und ein Ort des Perspektivwechsels par excellence.

Der in Österreich geborene Künstler Ryslavy (1961, Judendorf) ließ sich Ende der achtziger Jahre in Brüssel nieder, wo er bis heute lebt und arbeitet. Der Output seiner Arbeit ist vielfältig und besteht, bei einer medienspezifischen Betrachtung, zum Beispiel aus Texten, Bildern, Skulpturen und Performances usw; sein Interesse konzentriert sich auf das Funktionsweise des Kunstsystem selbst, wie und in welchem Verhältnis Autorschaft und Originalität eine Rolle darin spielen, gepaart mit der Sichtbarkeit des Oeuvres eines Künstlers: Wirtschaft und Erfolg sind eng miteinander verbunden und berühren damit auch die Voraussetzungen, die es einem Künstler erlauben, materiell als Person zu überleben. Seine Arbeit liefert nicht nur eine ironisch-institutionelle Kritik der globalen Kunstwelt, sondern spielt auch auf die verletzliche Position des einzelnen Künstlers an, der zum Spielball des grenzenlosen Kunstmarktes geworden ist.

Kurt Ryslavy, Der österreichische Wein

Christopher Knowles’ Arbeiten erfassen und ordnen alltägliche Materialien um uns herum durch Wiederholung, Abstraktion und Musterbildung. Wichtig ist die Do-It-Yourself-Haltung, eine Verwirklichung der inneren Stimme wie auch der Gedanken, sowie konkrete Fakten, Zahlen und Farben als Grundelemente, die immer wieder aufgeführt werden, wie Echos. Permutation und Serialität sind Eigenschaften, die in der klassischen, minimalistischen Kunst so wichtig sind, die Knowles aber auf seine eigene Art benutzt. Sprache wird in seiner Arbeit physisch gemacht, Farben beziehen sich oft auf ihre ikonische oder politische Bedeutung. Obwohl Knowles’ Arbeiten in den Vereinigten Staaten immer mit mehr Aufmerksamkeit rechnen können, wird seine Arbeit in Europa praktisch nicht gezeigt. Die Ausstellung wird eine umfassende Präsentation einer Mischung aus älteren und neueren Arbeiten, die den Umfang und das Universum von Knowles überzeugend darstellt. In diesem Moment suchen wir nach möglichen Partnern in Europa, mit denen wir zusammenarbeiten und -ausstellen können.

Christopher Knowles