14.11.20 – 11.4.21, Einzelausstellung

Patricia Esquivias - Cardón cardinal

Patricia Esquivias (Venezuela, 1979) baut ihre Arbeiten aus Erinnerungen, Anekdoten und Gesprächen auf. In ihren Videoarbeiten erzählt sie selbst, während sie Dokumente, Fotos und Objekte vor einer fest installierten Kamera präsentiert, wobei sie jegliche Nachbearbeitung vermeidet. Es handelt sich, ganz im Sinne des Storytellings um mündliche Zusammenfassungen, die von der Künstlerin ausgiebig recherchiert und in konzeptionelle Karten und Bildarchive übersetzt werden. Darüber hinaus schafft Patricia Esquivias Objekte, in welchen sie wichtige Abbildungen, Symbole und Fragmente aus dem Kosmos ihrer Geschichten aufgreift und diese wiederum im Raum mit den Videoarbeiten verknüpft.

Eine historische Erzählung ist nur so überzeugend und glaubwürdig wie ihr Autor oder ihre Autorin. Esquivias’ Werk ist wie ein Blick in die Gedanken einer Künstlerin, deren Videoarbeiten historische Theorien untersuchen, die durch ein eigenwilliges, urkomisches und höchst subjektives Glaubenssystem gefiltert wurden. Dabei entsteht eine neue, faszinierende Form von faktenbasierter, selbstkritischer Fiktion. Ein wichtiger Bestandteil der Arbeiten von der in Venezuela geborenen und inzwischen in Madrid und Guadalajara lebenden und arbeitenden Künstlerin sind das Verhältnis von Alter und Neuer Welt mit indirekten Kommentaren zur Kolonialgeschichte.

In ihren Arbeiten vermischen sich Mikrogeschichten auf scheinbar zufällige Weise mit der großen “Geschichte” und enthüllen die Unmöglichkeit, Geschichten auf lineare, einfache und objektive Weise zu erzählen. Für den Kunstverein Langenhagen entwickelt sie eine neue Arbeit, in der mexikanischen Kakteen eine Hauptrolle zufällt. “Cardón cardinal” ist die Geschichte des Riesenkaktus, welcher anlässlich der Weltausstellung Expo92 in der Mexikanischen Wüste ausgegraben, mit dem Flugzeug nach Sevilla geflogen wurde; und der dort eingepflanzt heute zwar noch immer steht, aber langsam aber sicher vertrocknet. Ganz ohne ihre eigene Interpretation darzulegen erzählt Patricia Esquivias eine Geschichte die zum einen auf koloniale Praktiken verweist, zum anderen aber auch verdeutlicht wie, nach Abebben eines (großen oder kleinen) repräsentativen Spektakels, Verantwortlichkeiten verwischt, vergraben oder weggeschoben werden können...

19.1.21, Gespräch

Künstlerinnengespräch - Patricia Esquivias (in englischer Sprache)

Begleitend zur Ausstellung Cardón Cardinal werden wir uns am 19. Januar um 19 Uhr bei einem online-Künstlerinnengespräch mit Patricia Esquivias über ihre Arbeit und Arbeitsweise und ihr Projekt für den Kunstverein unterhalten. Um sich zur Teilnahme an dem Gespräch anzumelden oder wenn Sie Fragen an die Künstlerin haben, schreiben Sie uns unter: mail@kunstverein-langenhagen.de

24.2.21, Gespräch

Online Leseklub: Siri Hustvedt - Keine Konkurrenz

Für unseren nächsten Online-Leseclub, der am Mittwochabend, dem 24. Februar, um 19:30 Uhr stattfindet, lesen wir den Essay 'Keine Konkurrenz' der Schriftstellerin Siri Hustvedt. Lesen und Diskutieren Sie mit! Sie können sich für diesen Online-Leseklub-Abend anmelden unter: mail@kunstverein-langenhagen.de. Wir schicken Ihnen das Essay gerne zu.

"Ein besonders schöner, augenöffnender Essay – jedenfalls in Bezug darauf, wie Männer auf Frauen schauen – ist „Keine Konkurrenz“, in dem Hustvedt eine Begegnung mit Karl Ove Knausgård schildert. Im Rahmen eines Interviews fragt ihn Hustvedt, warum in seinem gigantischen Werk „Kämpfen“, das hunderte Referenzen auf Autoren enthält, nur eine Frau genannt wird: Julia Kristeva. Seine Antwort: Keine Konkurrenz. Die Antwort verfolgt sie.

Und sie kommt zu dem Schluss, dass ein männlicher Autor sich in der Konkurrenz zu anderen männlichen Autoren beweist, beweisen muss. Interessanterweise sei Knausgård ein Autor des Gefühls. Er nimmt also keine prototypische männliche Haltung ein (wonach der Mann kalter, rationaler Verstand ist). Aber womöglich ist das der Grund, warum Knausgård sich von den Brontës oder Woolfs dieser Welt abgrenzen muss – wäre er sonst nicht eine von ihnen?"

(Marlen Hobrack: "Der Blick der Männer auf Frauen" in: TAZ, 23.07.2019)

Siri Hustvedt in der 'Sternstunde Philisophie' des SRF Kultur: https://www.youtube.com/watch?v=Iz-wIH-jth4

24.3.21, 19:00, Gespräch

Naheliegende Berufe #14: Historiker

Naheliegende Berufe goes digital! Nachdem wir die Veranstaltung Coronabedingt mehrfach verschieben mussten, wird naheliegende Berufe in den digitalen Raum verlegt. Im Rahmen dieser Gesprächsreihe werden Experten aus thematisch naheliegenden Berufsfeldern für Vorträge über ihre Arbeit eingeladen. Dieses Mal wird der Historiker Oliver Werner zu Gast im Kunstverein Langenhagen sein. Wir betrachten die Ausstellung Cardón cardinal der Künstlerin Patricia Esquivias aus der Perspektive eines Historikers. Wir sprechen sowohl über inhaltlichen Fragen, die Oliver Werner aktuell bearbeitet, als auch die alltäglichen Tätigkeiten, den institutionellen Kontext der Universität und die Verbindungen die sich zu Arbeit und Arbeitsweise der Künstlerin ergeben. 

Sie können sich für die Veranstaltung anmelden unter mail@kunstverein-langenhagen.de. Wir schicken Ihnen den Zoom-Link rechtzeitig zu.

8.4.21, Der Verein

Eine neue künstlerische Leitung für den Kunstverein Langenhagen

Wir freuen uns, Sebastian Stein als neuen Künstlerischen Leiter und Geschäftsführer des Kunstvereins begrüßen zu dürfen! Sebastian Stein wird die Stelle ab Juni 2021 antreten und voraussichtlich ab Herbst 2021 sein neues Programm präsentieren. Mit seinem institutionellen und kuratorischen Konzept überzeugte er die Jury und setzte sich gegen 27 Mitbewerber*innen durch. Die Jury bestand aus Vorstand und Beirat des Kunstvereins, ergänzt durch zwei externe Positionen, nämlich Heinrich Dietz, Direktor des Kunstvereins Freiburg und Juliane Schickedanz, Co-Direktorin, zusammen mit Anna Jehle, der Kunsthalle Osnabrück. Sebastian Stein folgt auf Noor Mertens, die an das Kunstmuseum Bochum wechselt. Sie hat den Kunstverein seit 2017 geleitet und für ihr innovatives Programm lokale wie internationale Aufmerksamkeit erhalten.

Als neuer Leiter des Kunstvereins möchte sich Sebastian Stein der Frage widmen, was eine Kunstinstitution in der krisenhaften Gegenwart am Anfang des 21. Jahrhunderts sein könnte. “Es könnte dabei um gemeinsames Erforschen, um Selbstbefragung, Selbstverunsicherung und auch um Trips gehen. Das Ganze eher in einem Gruppenmodus. Und natürlich um die Frage danach, welche Rolle Kunst und ästhetische Praxis dabei spielen könnten - und welche lieber nicht.” Er wird damit an das erfolgreiche Vermittlungsprogramm des Kunstvereins anknüpfen, das er seit 2019 mitgestaltet hat.

Sebastian Stein (*1977) hat vor langer Zeit Ethnologie, Soziologie und Französisch studiert. Nach Aufenthalten in Frankreich und Belgien lebte er einige Zeit in München, wo er unter anderem Teil vom Komitee des Lothringer13_Laden war. Seitdem ist er vor allem in selbstorganisierten Zusammenhängen im Kunstfeld tätig, so u.a. als Teil von NO FUTURE Komplex oder zusammen mit Stephan Janitzky als Herausgeber der halbjährlich erscheinenden Zeitschrift MUSS STERBEN. 2015/2016 hatte er die künstlerische Leitung des M.1 der Arthur Boskamp-Stiftung in Hohenlockstedt bei Hamburg inne. Seit 2017 betreibt er als selbsternannter Assistent das ruine HQ in Hannover mit. Seit 2019 ist Sebastian Stein freiberuflich für den Kunstverein Langenhagen tätig und dort hauptverantwortlich für die Konzeption und Durchführung der Kunstvermittlung.

14.4.21, Gespräch

Online Leseklub: Catherine Poulain - Die Seefahrerin

Für unseren nächsten Online-Leseclub, der am Mittwochabend, dem 14. April, um 19:30 Uhr stattfindet, lesen wir den Roman 'Die Seefahrerin' von Catherine Poulain. In dem Roman verarbeitet Poulain ihre eigenen Erfahrungen auf einem Fischtrawler im Beringmeer (Alaska). Sie erzählt von der harten und gefährlichen Arbeit auf dem Trawler, so wie der Feindseligkeit der Männerwelt, die ihr an Bord entgegenschlägt.

Lesen und Diskutieren Sie mit! Den Zoomlink finden sie hier: https://us02web.zoom.us/j/88138131549?pwd=MlZrVUJteGVjQWJxaVVxdkVMQ2VJdz09

Das Buch können Sie für wenig Geld aus zweiter Hand online bestellen. Anbieter finden Sie zum Beispiel hier: https://www.zvab.com

30.4.21 – 25.7.21, Gruppenausstellung (Derzeit)

Temporäres Heimatmuseum

Im Frühsommer 2021 wird sich der Kunstverein Langenhagen temporär in ein Heimatmuseum verwandeln. Mit der Ausstellung Temporäres Heimatmuseum stellen wir die Frage, was ein Heimatmuseum heute sein kann und damit verbunden, wie der Begriff Heimat verwendet wird. Sogenannte Heimatmuseen betonen häufig die Spezifität einer bestimmten Bevölkerungsgruppe oder die Besonderheiten eines bestimmten Ortes oder Lokalität. Anstatt das Eigene im Lokalen zu suchen und zu betonen, möchte der Kunstverein sich auf die Vielfalt des Eigenen konzentrieren.

Mit bestehenden und neuen Arbeiten von Aurélie Ferruel & Florentine Guédon, Viola Yeşiltaç, Salim Bayri, Julia Schmid, Hartmut El Kurdi und Beni Bischof. Mit Objekten aus dem Stadtarchiv Langenhagen und Interventionen von Langenhagener Jugendlichen.

Bei Migrationsbewegungen in der Vergangenheit und heute werden immer auch Haus und Heim aufgegeben. Geht dadurch auch das, was Heimat genannt wird, unwiederbringlich verloren? Oder kann Heimat ein flexibleres Konzept sein, bei dem das Gefühl, ‚zu Hause’ zu sein, nicht nur an eine bestimmte geografische oder familiäre Bindung gekoppelt ist, sondern auch an andere Faktoren wie Geborgenheit, die Möglichkeit von Austausch, persönliche Entwicklung usw.? In diesem Ausstellungsprojekt arbeiten wir mit der These, dass Heimat nicht etwas Statisches ist, das verloren gehen kann und bewahrt werden muss, sondern etwas Dynamisches, das sich weiterentwickeln - oder ganz neu erfunden werden kann.

Der Begriff Heimat, und damit auch Identität, wird oft und nicht nur von der populistischen Rechten auf äußerst problematische Weise verwendet - „Wer unsere Heimat erhalten will, wählt die AfD“ - spielt aber auch in gemäßigteren politischen Debatten eine Rolle: So z.B. in der "Leitkulturdebatte", die in Deutschland im Jahr 2000 mit den Aussagen gegen Multikulturalismus von Friedrich Merz begann. Diese Debatte konzentrierte sich auf den Unterschied zwischen Assimilation und Integration sowie zwischen Mehrheiten und Minderheiten. Im Ausstellungsprojekt Temporäres Heimatmuseum möchten wir sowohl auf aktuelle Debatten, als auch auf historische Erfahrungen, wie Beispielsweise die sogenannte ‘Heimatvertreibung’ während und nach dem zweiten Weltkrieg eingehen. Damals war auch die Region Hannover ein Zufluchtsort für viele Vertriebene (eine Volkszählung von 1955 in der Stadt Hannover wies aus, das eine von vier Personen einen Fluchthintergrund hatte). Auch Langenhagen ist zu einem großen Teil durch verschiedenste Migrations- und Fluchtbewegungen gewachsen - noch heute treffen sich regelmäßig Vereine und Gruppen, die sich mit den Themen Flucht und Heimat beschäftigen. Und auch in Langenhagen gab es für eine lange Zeit das Bestreben ein Heimatmuseum zu gründen. Eine umfangreiche Sammlung aus mehr als fünfhundert Objekten war entstanden: Objekte, die Langenhagener Bürger*innen für wertvoll, aussagekräftig, typisch, oder repräsentativ für Langenhagen empfunden haben. Nachdem der Plan für ein Heimatmuseum schließlich aufgegeben wurde, ging diese Sammlung in das Archiv der Stadt über, wo sie bis heute verwahrt wird. Stattdessen ist seit 2011 die Arbeitsgruppe GLIEM (‚Ganz Langenhagen ist ein Museum’) aktiv. Sie haben seitdem ihre Recherchen über erinnerungswerte Orte, Bauwerke und Geschichten auf mehr als 110 Schildern im gesamten Stadtgebiet veröffentlicht.

Wir haben unterschiedliche Künstler*innen eingeladen, bestehende Arbeiten zu zeigen und für diese Ausstellung neue Arbeiten zu entwickeln. Einzelne Objekte aus der Sammlung des Stadtarchivs werden bewusst gemeinsam mit den künstlerischen Arbeiten in der Ausstellung im Kunstverein zu sehen sein. Im Laufe der Ausstellung werden Langenhagener Jugendliche im Rahmen des Vermittlungsprojekts Wo ist Heimat? mit Ihren eigenen Ideen und Objekten in der Ausstellung intervenieren.

Ein Teil der für die Ausstellung Temporäres Heimatmuseum eingeladenen Künstlerinnen stammt aus bzw. lebt in der Region Hannover, ein Teil lebt und arbeitet an anderen Orten. Unsere Frage als Kunstverein an die Künstlerinnen war nicht, sich nur an Langenhagen zu orientieren und Arbeiten zu machen, die sich speziell mit dem örtlichen Kontext, Geschichte und Eigenartigkeiten beschäftigen. In ihrer Arbeiten befassen die beteiligten Künstler*innen sich stattdessen auf vielseitige Weise mit dem was mit Heimat und Identität verbunden wird. Sie tun dies durch die Verwendung von Archetypen und das Hinterfragen von heimatlichen Symbolen, Kitsch und Klischees. Auch setzen sie sich auseinander mit dem, was als seltsam und unerwünscht angesehen wird. Dabei wird Einwanderung als kontinuierliche Bewegung aufgegriffen, in der das Eigene und das Fremde ständig neu definiert werden.

Aufgrund der derzeitigen Lage und der damit einhergehenden Unplanbarkeit von Veranstaltungen werden derzeit Veranstaltungstermine nur kurzfristig über unsere digitale Kanäle (Newsletter, Facebook, Instagram) bekannt gegeben.

Dieses Projekt wird gefördert durch:

*Region Hannover

*Niedersächsische Sparkassenstiftung

*Sparkasse Hannover

*Botschaft des Königreichs der Niederlande

*Bureau des arts plastiques des Institut français Deutschland und des französischen Kulturministeriums

*Pro Helvetia

Das Vermittlungsprogramm wird gefördert durch:

*Fonds „Miteinander – Gemeinsam für Integration“ der Region Hannover

*VGH Stiftung

Veranstaltungen und Projekte:

*Naheliegende Berufe #15: Entrümpeler

Verschiedene Künstlerinnengespräche

*Vor-Verhandlungen mit Beatrice von Bismarck

*Filmreihe im Kooperation mit dem Kino im Sprengel

*Wo ist Heimat? - Vermittlungsprojekt mit einer Klasse der IGS Langenhagen

*Bulletin #13

*Performance Aurélie Ferruel und Florentine Guédon

19.6.21, 10:00 - 15:00, Der Verein

KLANG HÖR WERKSTATT - Workshop für Kinder

Erstellt eure eigene Klangarbeit

Vom 13. Juni bis 18. Juli ist im Eichenpark in Langenhagen in der dortigen kleinen Kapelle eine Klangarbeit der Künstlerin Cathy Lane zu sehen und - hauptsachlich - zu hören. Dieses Kunstwerk wird zum Ausgangspunkt für das eigene Sammeln und Aufnehmen von Tonmaterial, das Zusammenschneiden, Collagieren, um daraus ein eigenes Klangkunstwerk zu machen, das ebenfalls hauptsächlich zu hören sein wird. Der Workshop wird von begeisterten Künstlerinnen und Künstlern betreut, die den Kindern helfen, vielseitig mit Tonmaterial zu arbeiten.

Anzahl Plätze: 6 Alter: 10 – 12 Jahre Zeitraum: Samstag, 19. Juni 2021 Uhrzeit: 10.00 – 15.00 Uhr Leitung: Jan Neukirchen und Kristina Sinn Treffpunkt: Haus der Jugend, Langenforther Platz 1, 30851 Langenhagen Gebühren: Keine